Vor dem Neubau stand auf dem Grundstück ein marodes kleines Fachwerkhäuschen auf einem eingeschossigen tiefer liegenden Natursteinsockel. In die städtebaulich eingebaute Situation mit fehlenden Abstandsflächen zu den Nachbargebäuden wurde der Neubau nur mit dem Begriff Bestandschutz, intensive Argumentation und dem Versprechen eine nichtbrennbare Hülle durch die Behörde genehmigt.
Das Fachwerkhaus wurde bis auf den Sockel rückgebaut. Zur Sicherung des Natursteinsockels wurden Betonwände innerhalb der Grundmauern zusammen mit dem Naturstein geschalt und ausgegossen. Auf der „Betonröhre“ wurde ein Einraum-Satteldachhaus in Holzständerbauweise errichtet.
Die Hülle bildet eine durchgängig über den Wand- und Dachbereich geführte Edelstahlverkleidung mit nichtbrennbarer Unterkonstruktion. Diese Verkleidung wurde in handwerklicher Kunst in Bahnen auf dem Haus befestigt. Dabei wurde viel Wert auf eine hohe Ausführungs-
qualität gelegt. Die Hülle negiert sich und in ihr spiegelt sich die Umgebung. Dächer Wandfarben der angrenzenden Häuser und das Grün der Umgebung finden sich in der Fassade wieder. Durch die matte Oberfläche des Edelstahls reduzieren sich Spiegelungen und Projektionen umgekehrt auf die angrenzenden Häuser. Die Fensteröffnungen sind für den kleinen Baukörper sehr groß bemessen und bringen einen starken Bezug von Innen nach Außen.
Der zweigeschossige Neubau dient als Wohnraumerweiterung. Beide Geschosse haben nur einen offenen Raum. Im Sockel wohnt der 14 jährige Sohn des Bauherrn, mit mittig liegendem Sanitärkern. Dieser Block zoniert den Raum in seine Bereiche Schlafen, Waschen, Leben/Arbeiten. Eine großflächige Verglasung zum Hof mit davor liegender Holzterrasse schafft die Verbindung zwischen Appartement und Hof.
Oben residiert mit Übergang zum Bestandswohnhaus, einem denkmalgeschützten sanierten Altbau, der Bauherr in seiner Bibliothek. Die Räume sind intern über eine Spindeltreppe verbunden. Durch die 50° Dachneigung des Gebäudes wirkt die Bibliothek im offen Raum fast kathedral. Die eichenen Bücherregale wurden in die Wände integriert und zusammen mit den wenigen aber großen Fenstern abgestimmt.
Projekttitel: haus zum lesen
Architekt, Architektin, Architekturbüro:
K+H Architekten
aus: Stuttgart
Diesem Projekt sind redaktionell folgende Stichworte zugeordnet:
Wohnhaus, Neubauten, Umbau
Fotonachweis:
Maks Richter, Stuttgart
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