Das Projekt ist die erste realisierte Baumaßnahme aus dem städtebaulichen Gesamtkonzept für das Quartier Dr. Kollmann Straße, das im Rahmen des Modellprojekts „Lebendige Wohnquartiere für Jung und Alt“ (LWQ) der Obersten Baubehörde Bayern entwickelt wurde.
Die fünf Zeilenbauten aus dem Baujahr 1965 werden in den nächsten Jahren grundlegend saniert und aufgestockt. Ein wichtiges Ziel dabei ist die Diversifizierung des Wohnungsangebotes.Bisher enthielten die Gebäude ausschließlich kleine 3-Zimmerwohnungen.
In der Aufstockung des ersten Gebäudes entstanden zwei Fünf-Zimmerwohnungen für Familien mit mehreren Kindern. Genauso wichtig war die Verbesserung des Außenbezugs für die überwiegend älteren Bewohner. Dazu wurde dem Gebäude an der Südseite eine durchlaufende, zwei Meter tiefe Balkonzone angefügt. Die vorhandenen Balkontüren wurden deutlich verbreitert, die Südfenster zu Terrassentüren umgebaut. Den Schutz der Privatsphäre und Sonnenschutz gewährleisten geschosshohe, stoffbespannte Schiebeläden.
Die Hochpaterrewohnungen im Erdgeschoss erhielten barrierefrei angebundene Terrassen. Diese neuen Zimmer im Freien werden seit der Fertigstellung intensiv genutzt. Die Vorzone an der Gebäudenordseite wurde durch einen Höhensprung mit Sitzstufe definiert, die Eingangssituation ist durch die weit ausladenden Vordächer einladender und besser nutzbar geworden.
Die Maßnahmen zur energetischen Sanierung basieren auf einer Energieberatung, die das Architekturbüro vor Planungsbeginn durchführte:
Die Aufstockung entstand in Holzbauweise nach KfW-40-Standard. Der Altbau erhielt ein Wärmedämmverbundsystem mit 12 cm Dämmstärke, neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung und die Kellerdecke wurde von unten gedämmt.
Die Versorgung mit Heizwärme und Warmwasser wurde von Einzelthermen auf einen zentralen Anschluss an das neue Nahwärmenetz und Pelletsheizwerk umgestellt.
Der Heizwärmebedarf sank von 212,2 auf 57,1 kWh/m²a, d.h. um ca. 70% und der Primärenergiebedarf von 289,9 auf 17,1 kWh/m²a.
Die Heizkosten fielen um ca. einen Euro pro m² im Monat, um den gleichen Betrag erhöhte sich die Miete, so dass die Generalsanierung insgesamt kostenneutral für die Mieter blieb!
Fazit: Die Generalsanierung und Aufstockung bot die Chance, das Gebäude völlig umzugestalten und ihm ein frisches, zeitgemäßes Image zu verleihen. Das neue Dachgeschoss und die Balkonzone bilden konstruktiv und gestalterisch eine Einheit, so dass Alt und Neu zu einem Gesamteindruck mit völlig neuer Ausstrahlung verschmelzen. Die Baumaßnahme wurde mit dem Deutschen Bauherrenpreis Modernisierung, 2007, „Hohe Qualität- tragbare Kosten“ ausgezeichnet.
Projekttitel: Aufstockung und energetische Sanierung eines Mehrfamilienhauses
Architekt, Architektin, Architekturbüro:
Architekturbüro Bert Reiszky
aus: Deggendorf
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